Bora, Bora

Schon gestern meinte der Hafenmeister, dass eine Bora-Wetterlage im Anmarsch sei. Dies deckt sich mit unseren eigenen Beobachtungen der Wetterküche. Vom zeitlichen Ablauf her, sehen wir aber eine Chance, unser heutiges Ziel Grado im Osten der Laguna di Marano vor der Starkwind-Phase zu erreichen. Sollte dies scheitern, haben wir Lignano und Porto Buso als Alternativen. Zunächst geht es auch ganz gut los. Der Wind ist zwar frisch (15 – 17 kts, um die 30 km/h), aber er kommt aus Ost, deshalb können wir auch ein bisschen Vorhalten, um auf angenehmem Kurs auf Grado zuzuhalten. Kurz vor erreichen des Verkehrstrennungsgebietes (VTG) nimmt der Wind weiter zu und dreht leicht rück auf OstNordOst, wir legen das erste Reff ein (die Segelfläche wird verkleinert) und können weiter Kurs Grado halten. Schon wenig später wird das nächste Reff fällig. Die aus SüdOst heranrollenden Wellen erreichen hier in der nördlichen Adria, insbesondere dort, wo sie flacher ist, eine kurze, teils unangenehme Steilheit, sodaß Uli am Ruder auch schon mal naßgespritzt wird. Der Wind nimmt weiter zu und erreicht 7 Bft (bis ca. 60 km/h) in Böen auch mal 8 Bft. Gut zu erkennen an den Schaumkronen der jetzt gut zwei Meter hohen Wellen. Der Schaum der sich brechenden Wellenköpfe legt sich dann in weißen Streifen in Windrichtung auf das Wasser.
Die Einfahrt nach Grado kommt in Sicht. Auch ohne Fernglas läßt sich leicht erkennen, dass diese für uns bereits schon unpassierbar ist. Beiderseits der Einfahrt brechen sich hohe Wellen und im Fahrwasser ist der durch die Grundsee aufgewühlte Sand deutlich zu erkennen. Wir gehen davon aus, dass bei diesen Verhältnissen die Einfahrt nach Lignano ähnlich aussieht, also heißt unser geändertes Ziel Porto Buso. Dort gibt es eine gebaggerte Rinne für die Berufsschifffahrt, die mit sicheren acht Metern Tiefe auch für uns kein Problem darstellt. Die Kursänderung bring uns auch nochmal ein bisschen mehr Geschwindigkeit (7 – 8 kts ca. 14 km/h), weshalb die jetzt mehr achterlich anrollenden Wellen uns auch nicht mehr Naß spritzen.
Zu früh gefreut! Hat uns die See bisher mit einige Spritzern Salzwasser bedacht, öffnet nun der Himmel seine Schleusen.

Die schwarze Bora hat jede Menge Regen im Gepäck

Wir holen die Segel ein, lassen die Ansteuerungstonne weit an Backbord liegen und tuckern an der zehn Meter Tiefenlinie entlang. Aufgrund der schlechter werden Sicht haben wir Mühe die Tonnen des Fahrwassers zu erkennen. Die voraus liegenden Tonnen sehen wir immer erst Schemenhaft, nachdem die achteraus liegenden nur noch zu erahnen sind. Jetzt heißt es genug vorhalten und genau auf Kurs bleiben. Wind und Strom kommen von Steuerbord, es ist ein bisschen so, als würde man beim Autofahren durch die Seitenscheibe nach vorne sehen müssen. Kaum sind wir zwischen den Inseln, lassen Seegang und Strom deutlich nach und ein Stück weiter den Kanal hoch bleiben nur noch kleine Rippel auf der Wasseroberfläche übrig. Auch der Wind läßt ein wenig nach, der Regen jedoch ist weiterhin mit Blicken schwer zu durchdringen. Zwei Meilen weiter wollen wir an Backbord in einen kleinen Flußhafen einlaufen, Segelmasten kommen in Sicht, die Detailkarte weißt eine Wassertiefe von zwei Metern aus! Die häufigen Veränderungen in der Lagune sind der Karte jedoch nicht zu entnehmen. Zuerst glaube ich, wir können uns eine kurze Spur in den Schlick schieben, bei jetzt herrschendem Niedrigwasser fehlen uns aber doch die erforderlichen Zentimeter um durchzukommen, also drehen wir um. Der Motor ist gefordert, um uns herum erscheinen abgerissene Büschel von Seegras und es dauert eine kleine Weile, bis wir zurück im Fahrwasser sind. Wir fahren den Fluß weiter aufwärts zur Marina Sant´Andrea, als plötzlich weißer Rauch aus dem Auspuff kräuselt, ärgerlich, wir haben wohl auch Seegras vor die Kühlwasseröffnung bekommen. Ein Blick auf die Motortemperatur und die nahe liegende Einfahrt zur Marina, ermutigen uns dann mit kleiner Drehzahl die letzten Meter in die erstbeste Box zu fahren, statt den Anker zu werfen. Die Box ist zwar für Boote bis zwanzig Meter Länge vorgesehen, aber wir haben ja ausreichend lange Festmacher. Da der Regen nur wenig nachgelassen hat, nehme ich gleich mal ein erfrischendes Bad. Mit Brille, Schnorchel und Werkzeug tauche ich unter den Rumpf. Unsere Vermutung erweist sich als richtig und nach fünfzehn Minuten ist die Ansaugöffnung vom Seegras befreit, jetzt noch den Seewasserfilter und die Leitung spülen und alles ist wieder in Ordnung. Maschine läuft wieder einwandfrei. Abends gibt es im Marina eigenen Restaurant ein leckeres Esse als Abschluss eines interessanten Tages.

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