Archiv des Monats: Juli 2017

Rund Antipaxos

07.07.
Wir fahren heute, anfänglich mit drehenden Winden, von Korfu (Ormos Lefkimmis) wieder ans Festland, um die Bucht von Mourtos zu erkunden. Klar, dass der Wind am Nachmittag auf SE dreht und wir aufkreuzen müssen.
„Der Segler hat entweder zu viel Wind, zu wenig Wind oder der Wind kommt aus der falschen Richtung!“
Diese vier kleinen Inselchen sind sehr beliebt und touristisch sehr gut erschlossen. Hotels und Ferienanlagen sind vom Wasser aus sehr gut zu erkennen. Wir ankern im Kanal zwischen dem Festland und Nisos Ayos Nikolaos. Im NW gibt es eine sehr geschützte Bucht in der mittlerweile auch Dauerlieger vor Anker liegen, im E ist die kleine Bucht mit einer Hotelanlage belegt. Der kleine Anleger wird gerne von Flottillen genutzt und der winzige Strand ist stark frequentiert. Entsprechend ist der Kanal von Motorbooten, die teilweise ohne Rücksicht durch die Ankerlieger rasen und Fischern, die oftmals näher als fünf Meter am eigenen Boot vorbeifahren reichlich befahren. Landschaftlich ist das hier ein Traum, das haben wir vor einer Woche auch schon festgestellt, aber leider ist dieser Platz kaum ruhiger als der Letzte hier um die Ecke.

08.07.
Am nächsten Vormittag setzen wir ins Städtchen über. Hier im Hafen ist kein Platz zu bekommen, dafür gibt es einen Tankkai mit einer sehr auffällig gemalten Telefonnummer. Wir besichtigen das touristische Örtchen mit deinen schmalen Gassen, in denen sich Souvenirläden mit Bars und Restaurants abwechseln. Der Supermarkt am Hafen wartet mit hohen Preisen auf, das scheint den vielen Charteryachten geschuldet. Wir gehen etwa zehn Minuten landeinwärts und finden dort Obst- und Gemüseläden, einen Bäcker und einen weiteren Supermarkt, hier sind die Preise für GR eher normal und die Waren von guter Qualität. Wieder zurück an Bord, stellt sich am frühen Nachmittag ein nutzbares Lüftchen ein und wir segeln Richtung Parga weiter. Als wir ankommen zeigt sich die von uns ausgesuchte Bucht unter der Altstadt als gesperrt. Die Gemeindeverwaltung hat einfach die kleinen Inseln durch eine Schwimmleine mit gelben Bällen verbunden und so ein Einfahren für alle motorisierten Boote unmöglich gemacht. Schade! Also suchen wir einen neuen Ankerplatz, den finden wir aber nur in der Bucht Valtou, westlich der Burganlage vor einem kleinen Fischerhafen vor dessen Kaimauer deutlich ein gesunkenes Segelboot zu erkennen ist. Da der Wind gerade jetzt wieder auf mehr als 20 kts auffrischt, entscheiden wir uns vor dem Strand auf Sandboden das Eisen einzugraben. Hier sind zwar die zahlreichen Wasservergnügungen noch aktiv, gegen 2000 Uhr ist dann allerdings Ruhe und von den Restaurants kommt wegen des Westwinds auch nicht viel Lärm an. Trotz des Windes gibt es keinen Schwell und wir können gut schlafen.

09.07.
Morgens fahren wir mit dem Beiboot zur Erkundung von Parga,

Fähre in Parga mit Insel Panayia

hier gibt es eine hohe Pier, die für CALYPSO nur bedingt nutzbar wäre. Die Ausflugsboote haben ihre Anleger abgesperrt und der Rest wird von Fähren blockiert. Die Pläne für einen Hafenausbau stehen seit 1997, das Geld fehlt noch. Wir schlendern durch das touristisch gut besuchte romantische Städtchen und kaufen im gut sortierten Supermarkt noch einige Dinge für das Abendessen ein, da wir heute wieder frei ankern wollen – irgendwo an der Küste von Antipaxos.

Promenade in Parga

Agrapidia/Antipaxos

Am Nachmittag segeln wir bei leichtestem Wind aus W  an die Nordostküste von Antipaxos. Andipaxos ist etwa vier Kilometer lang, nie viel breiter als zwei Kilometer und etwa fünf Quadratkilometer groß. Die weniger als 150 Sommerbewohner (ohne Touristen) leben in Vigla, dem Hauptort der Insel. Im Winter lebt dagegen weniger als die Hälfte der Einwohner auf der Insel. Nach einiger Zeit finden wir eine kleine Bucht, in der sich Fischer durch eine Steinschüttung ein wenig Schutz vor den Elementen geschaffen haben. Wir können davor auf 6 m Wassertiefe mit zwei Landleinen ankern. Den Anker setzen wir vor den gegenüberliegenden Felsen, um die gewünschten 40 m Kette auslegen zu können. Im Sand ist er gut eingegraben und hält ohne Murren die 20 kts Seitenwind, die in der Nacht durch das kleine Tal in die Bucht blasen.

liebevoll bemaltes Fischerboot

10.07.
Wir brauchen Wasser und Diesel und müssen mal wieder Wäsche waschen. Am späten Vormittag machen wir uns auf die 5 nm Strecke nach Gaios. Gegen Mittag ist die beste Zeit einen guten Liegeplatz am Stadtkai zu bekommen. Wir können sogar aussuchen und wählen einen Platz in der Nähe der Südausfahrt, hier ist es etwas ruhiger und man wird nicht durch die vielen Touristenboote und deren laute Fracht belästigt. Schnell die Kojen abgezogen, die Wäsche zusammengepackt und ab zur Wäscherei, die freundliche Dame vom letzten Jahr ist nicht mehr da, dafür drei junge Frauen mit Handys im Gebrauch, die sehr geschäftig tun (hätte uns auffallen sollen). Ja, kein Problem, morgen Früh sei die Wäsche zum Abholen bereit, ok. ohne Weichspüler! Beflissen wird der „bürokratische Teil“ VOR der Theke erledigt. So, das haben wir schon mal erledigt. Jetzt Olivenöl kaufen, Wasser tanken, den Tankwart an der nahen Tankstelle organisieren, einkaufen usw. Der Nachmittag geht schnell um, bei all den Arbeiten. Hier noch ein kleiner Motorcheck, dort noch schnell das Rigg kontrolliert, was halt so zu tun ist.

11.07.
Am nächste Morgen dann folgt die Erklärung in der Wäscherei. Die freundliche Dame vom letzten Jahr wurde schwanger und hat geheiratet (oder umgekehrt?), jedenfalls hat sie die Wäscherei verpachtet und der Pächter hat erst schon mal die Preise „angepasst“:
2016 (eine Maschine) 7 kg Wäsche waschen/trocknen – 10 € (ein üblicher Preis in GR); 2017 1 kg Wäsche waschen 4 € + 1€ für das trocknen
= eine Preissteigerung um 250%; das hätten wir erkennen können, wenn die junge Frau nicht die ganze Zeit vor der Preistafel gestanden hätte.
Ok, aus Fehlern lernen und nächstes Mal erst mal fragen.
Dann „erwischt“ uns auch noch die Coast Guard (CG), die uns (als Eignerpaar) den doppelten Betrag abnimmt, wie der mit acht Mann besetzten gleich langen Charteryacht neben uns. Mein Nachfragen wird mit dem Verweis auf das Büro beantwortet, dessen Vorsteher natürlich erst am Abend wieder erreichbar ist.  Die Vorschriften seien halt so auf Paxos. Mein Hinweis, dass es ein griechisches Gesetz gibt, indem die Berechnung der Hafengebühren festgeschrieben ist  (Hinweis: im Gesetz steht nicht nur der Betrag pro m Bootslänge, sondern auch, das die CG diese Beträge nicht kassieren darf, sondern nur eine von der Gemeinde beauftragte private Organisation), bleibt ohne Wirkung. Sie sei von der CG Korfu und die würden ihre eigenen Gesetze machen. Sollte ich nicht bezahlen wollen – erklärte sie lächelnd –  gäbe es eine Anzeige und unser Boot würde an die Kette gelegt. Schade, hier werden wir erst mal nicht mehr anlegen, glücklicher Weise gibt es Alternativen.
Wir laufen – eher schlechter Gelaunt – aus und finden einen schönen Platz südlich der beiden überfüllten NE-Buchten an der Ostseite von Antipaxos.

kleiner Felssturz

Anker rein, Landleinen fest, Ruhe! Später gesellen sich noch zwei weitere Boote in respektablem Abstand zu uns. Die Bucht ist recht offen, aber das Wetter kommt aus NW und es soll heute Nacht still bleiben.

12.07.
Bis auf leichten Schwell der Fähre Igoumenitsa-Patras am frühen Morgen, war die Nacht entspannt. Heute wollen wir Antipaxos runden und wieder irgendwo ankern. Die vorgelagerten Inselchen und Klippen im Süden umrunden wir in respektvollem Abstand. Schon eine Stunde später suchen wir uns in der Bucht Kalamitsa einen Ankerplatz. der Grund ist sehr felsig mit wenig Sandauflage, entsprechend ist der Halt mäßig, für den Badestopp aber voll ausreichend. Ich tauche die gesamte Bucht ab, um vielleicht eine bessere Stelle zu finden! Die kann ich dann auch finden, leider schwoit dort schon ein großer Kat und für uns bleibt kein Platz. Wir laufen wieder aus und erforschen die weitere Westküste in Richtung Norden. Es ist Juli und da sind nun mal die wenigen Ankerplätze schnell besetzt. Wir beschlossen gerade, an die Westküste von Paxos zu wechseln, als sich Wolfgang von der BERTA LOOKS über UKW-Funk meldet. Wo wir denn seien und ob man nicht den Abend zusammen verbringen könnte. Sie lägen zwischen Moggonisi und Paxos und hätten noch einen Liegeplatz für uns. Schnell entschlossen brechen wir unsere Exkursion ab und wenden in Richtung Ankerplatz. Wolfgang erwartet uns schon und unterstützt uns bei der Landleinen Verbindung. Wieder einträchtig nebeneinander, dümpeln die beiden Boote in der untergehenden Sonne.

Moggonisi – Kaltsoni

13.07.
Am nächsten Tag erkunden wir die die kleine Insel Moggonisi und machen einen Spaziergang nach Gaios. Die Bucht hier gefällt uns, ist sicher, hat Restaurants und kostet nix, den zwanzig minütigen Fußmarsch bis Gaios nehmen wir gerne in Kauf!

Sachen gibt´s!

Wir sind schon wieder in Plataria gewesen!
Mit Stopover in der Inselwelt von Syvota.

Anfahrt auf Syvota von NW

Wundervolle Landschaft, herrliche Buchten, aber im Juli/August einfach mit zu vielen Besuchern und einem übervollen Hafen. Party, Party, Party!!!
Nirgends gibt es ein bisschen Ruhe, hier werden wir zu einem anderen Zeitpunkt nochmal den Anker werfen müssen. Nur mit viel Mühe gelingt es uns zwischen Schwimmern, Schnorchlern, Kanuten, Seglern, Ruderern, Surfern, Standup-Paddlern, Wassermotorrädern, Motorbooten und anderen Ankerliegern einen geeigneten Platz zu finden, den Anker einzugraben und die Landleinen zu setzen. Kaum ist eine gute Stunde vorbei, liegen wir fest und können nun etwas entspannter dem regen Treiben um uns herum zusehen. Wir bleiben also nur eine Nacht und segeln am nächsten Morgen weiter nach Plataria.
Diesmal, weil das Wetter mit steifen Winden aufwarten soll und wir mit der Crew der BERTA LOOKS einen Landausflug verabredet haben. Natürlich war dort selbst am frühen Nachmittag kein Platz mehr am Außenkai zu bekommen und der Ostkai ist im Sommer regelmäßig durch Flottillen und Vercharterer voll belegt; dann kommen Samstags mehrere Busse zum Crewwechsel.

BERTA LOOKS und CALYPSO im Hafen von Plataria

Wir suchten sorgfältig einen Platz für unseren Anker aus, setzten eine Tripleine (man weiß ja nie) und fuhren ihn, ob des zu erwartenden Windes, sehr gut ein. Wolfgang half uns die langen Landleinen zu belegen und so lagen wir sicher im Päckchen in der zweiten Reihe. Am nächsten Tag mieteten wir uns ein Auto und erkundeten das Hinterland.
Conny hatte in einem Buch über eine Widerstandskämpferin (Eleni Gatzoyiannis) gelesen, die im griechischen Bürgerkrieg ihre und viele weitere Kinder vor der Verschleppung hinter den „eisernen Vorhang“ durch kommunistische Partisanen bewahrt hatte und dafür mit ihrem Leben bezahlen musste. Nikolaos Gage, ein geretteter Sohn von Eleni und investigativer Journalist, schildert in seinem Buch „Eleni“ das Leben seiner Familie in dem kleinen Bergdorf Lia in der nordwestgriechischen Region Epirus während des zweiten Weltkriegs und des griechischen Bürgerkriegs. Dreißig Jahre später recherchierte Gage die Vorgeschichte und Umstände ihres Todes sowie die dafür Verantwortlichen.

nach Originalplänen wieder aufgebaut

„Eleni“ wurde 1985 u.a. mit John Malkovich verfilmt.  Ronald Reagan erklärte 1987, dieser Film sei für ihn eine Inspiration zu seinen Gipfeltreffen zur Beendigung des amerikanisch-sowjetischen Wettrüstens gewesen. Beeindruckend!
Wir fahren also zu diesem Ort des Gedenkens, finden das abgelegene Gebäude nach einiger Zeit, können aber das im Original wieder aufgebaute „Elenis House“ nicht besichtigen, da leider niemand da und alles verriegelt ist! Nun denn, die Erinnerung an diese bemerkenswert mutige Frau und die Fahrt durch die herrliche Landschaft als ein Augenschmaus, das muss für heute genügen.

Die nächsten Tage verbringen wir in der Nähe von CALYPSO und BERTA LOOKS! Zeitweilig bläst es mit bis zu 30 kts im Hafen. Die Ankerlieger am Außenkai krängen ordentlich, unsere Boote pendeln derweil nur leicht mit dem Wind auf der Nase!

Gestern gab es dann noch mal Hafenkino pur und wir wurden leider für eine Nebenrolle ausgesucht.
Ein 18 m-Motorboot läuft in den Hafen ein und sucht sich den ungünstigsten und viel zu engen Liegeplatz im Knick der Außenmole aus. Unsere Ankerbojen und unsere mehr als deutlichen Hinweise auf unser Ankerketten ignorierend setzt das französische Pärchen (aber Flagge: NL) seinen Anker und fängt in Rückwärtsfahrt unsere Ankerketten. Wolfgang und ich versuchen dieser unfähigen Crew die Situation verbal und gestikulierend nahe zu bringen, ohne Erfolg. Der Wind vertreibt die Yacht immer wieder, sodass die Crew die „Parklücke“ großzügig verfehlt und unsere Anker unter der Belastung der Motoryacht slipen. Wir packen unser Schulfranzösisch aus und versuchen zu erklären, dass wir in Kürze eh Anker auf gehen werden, dass dann genug Platz sein würde, für ihre Manöver usw. Die Franzosen holen also ihren Anker auf, nicht ohne unsere Ketten mit aufzuholen und können die Wuling (großes Durcheinander) mit großer Anstrengung auflösen. Wir denken, „ok. jetzt haben sie es verstanden, holen Kette auf und bereiten schnell das Ablegemanöver vor. Wir holen unsere Landleinen ein und im selben Moment – Entschuldigung – wirft der Idiot wieder seinen Anker über unsere Ankerketten und dampft kräftig rückwärts. Na prima, wir müssen jetzt besonders darauf achten, niemand anderen zu gefährden, während das Motorboot uns durch den Hafen schleift. Endlich merkt der im „3. Stock“ stehende „Kapitän“, dass irgendwas nicht stimmen kann und unternimmt……….nichts. Somit vertreibt sein Boot im Hafen und kommt bei uns – er natürlich ohne Fender –  erst mal „längsseits“ und drückt alles Richtung Kai. Gut gemacht mon ami, sein Anker hält nicht und unserer nicht mehr und im „Päckchen“ ist es für uns nur schwierig zu manövrieren. Nur mit Mühe können wir das Chaos langsam auflösen und eine weitere Havarie verhindern, während die BERTA LOOKS schnell versucht, die Landleinen einzuholen. Es ist einfach nicht gut, wenn man in Luv (über dem Wind) lose und Lee (unter dem Wind) fest ist, das beschränkt die Handlungsfreiheit enorm. Wer hat nur dieser unfähigen Crew ein solch großes Motorboot verchartert? Nach einer weiteren halben Stunde haben wir uns befreit, BERTA LOOKS und CALYPSO passieren unbeschädigt aber mit Crew auf „Hochtouren“ die Hafenausfahrt.

„Nachbarlieger“ im Ormos Lefkimmis

Drei Stunden später fallen im Ormos Lefkimmis vor einsamer Steilwand zuerst die Anker und dann die Mannschaft ins glasklare Wasser. Endlich Ruhe! Hier bleiben wir heute auch noch. Morgen wollen wir uns die Insel vor Syvota anschauen.

Wind:  SW-W 2-3 Bft     S-SW 2-3
Etmal: 20 nm                  9 nm