Archiv des Autors: Manfred

Farewell

auf ein Wiedersehen im Winter

auf ein Wiedersehen im Winter

Noch 3 Tage bis zum Abflug. Gestern haben wir uns  von Freunden, Nachbarn und Bekannten für die nächsten 6 Monate verabschiedet. Eine gelungene Farewell-Party! Wir wurden überrascht, von den vielen schönen individuellen Abschiedswünschen. Alle haben uns gerührt, einige sehr tief berührt. Vielen, vielen Dank! Wir freuen uns heute schon auf ein Wiedersehen im Winter.

 

Zurück

Heute ist Ulis letzter Törntag, da wir nur einen kurzen Schlag vor uns haben, lassen wir uns richtig Zeit. Die Bequemlichkeit unterstützend, gehen wir ins Restaurant frühstücken, bezahlen die Liegegebühren und erkundigen uns noch nach freien Liegeplätzen…….ok nicht für mich, die Preise sind dann doch eher im oberen Bereich, außerdem liegt die CALYPSO in Aprilia Marittima ja auch sicher.
Gemütlich motoren wir den Kanal entlang Richtung Adria. Am Ausgang des Porto Buso kommen uns drei Schlepper mit einer riesigen Arbeitsplattform (100 x 30 m) entgegen, ganz schön viel Arbeit für die Schlepper, denn die Windstärke ist schon wieder bei
5 Bft angekommen und es regnet auch schon wieder. Da prüfe ich anhand der Karte doch lieber noch mal unsere Ausweichmöglichkeiten, aber das Gespann driftet durch den Wind an den Rand des Fahrwassers und wir können problemlos passieren.
Draußen erwartet uns dann eine beruhigte See, denn der Wind kommt heute mehr aus nördlichen Richtungen und die kleinen Wellen werden vom Regen geplättet. So stehen wir schon nach zwei Stunden vor der Einfahrt von Lignano. Es ist Niedrigwasser, deshalb können wir Aprilia Marittima jetzt nicht anlaufen, der Kanal ist noch nicht fertig ausgebaggert. Ein freundlicher Hafenmeister weißt uns einen Platz zu und wir erkunden die Touristen- und Rentnermetropole Lignano. Mit einem guten Abendessen lassen wir den Törn ausklingen, Das Taxi ist bestellt, sodass dem morgigen Opernbesuch in Venedig nichts mehr im Wege steht.

 

Bora, Bora

Schon gestern meinte der Hafenmeister, dass eine Bora-Wetterlage im Anmarsch sei. Dies deckt sich mit unseren eigenen Beobachtungen der Wetterküche. Vom zeitlichen Ablauf her, sehen wir aber eine Chance, unser heutiges Ziel Grado im Osten der Laguna di Marano vor der Starkwind-Phase zu erreichen. Sollte dies scheitern, haben wir Lignano und Porto Buso als Alternativen. Zunächst geht es auch ganz gut los. Der Wind ist zwar frisch (15 – 17 kts, um die 30 km/h), aber er kommt aus Ost, deshalb können wir auch ein bisschen Vorhalten, um auf angenehmem Kurs auf Grado zuzuhalten. Kurz vor erreichen des Verkehrstrennungsgebietes (VTG) nimmt der Wind weiter zu und dreht leicht rück auf OstNordOst, wir legen das erste Reff ein (die Segelfläche wird verkleinert) und können weiter Kurs Grado halten. Schon wenig später wird das nächste Reff fällig. Die aus SüdOst heranrollenden Wellen erreichen hier in der nördlichen Adria, insbesondere dort, wo sie flacher ist, eine kurze, teils unangenehme Steilheit, sodaß Uli am Ruder auch schon mal naßgespritzt wird. Der Wind nimmt weiter zu und erreicht 7 Bft (bis ca. 60 km/h) in Böen auch mal 8 Bft. Gut zu erkennen an den Schaumkronen der jetzt gut zwei Meter hohen Wellen. Der Schaum der sich brechenden Wellenköpfe legt sich dann in weißen Streifen in Windrichtung auf das Wasser.
Die Einfahrt nach Grado kommt in Sicht. Auch ohne Fernglas läßt sich leicht erkennen, dass diese für uns bereits schon unpassierbar ist. Beiderseits der Einfahrt brechen sich hohe Wellen und im Fahrwasser ist der durch die Grundsee aufgewühlte Sand deutlich zu erkennen. Wir gehen davon aus, dass bei diesen Verhältnissen die Einfahrt nach Lignano ähnlich aussieht, also heißt unser geändertes Ziel Porto Buso. Dort gibt es eine gebaggerte Rinne für die Berufsschifffahrt, die mit sicheren acht Metern Tiefe auch für uns kein Problem darstellt. Die Kursänderung bring uns auch nochmal ein bisschen mehr Geschwindigkeit (7 – 8 kts ca. 14 km/h), weshalb die jetzt mehr achterlich anrollenden Wellen uns auch nicht mehr Naß spritzen.
Zu früh gefreut! Hat uns die See bisher mit einige Spritzern Salzwasser bedacht, öffnet nun der Himmel seine Schleusen.

Die schwarze Bora hat jede Menge Regen im Gepäck

Wir holen die Segel ein, lassen die Ansteuerungstonne weit an Backbord liegen und tuckern an der zehn Meter Tiefenlinie entlang. Aufgrund der schlechter werden Sicht haben wir Mühe die Tonnen des Fahrwassers zu erkennen. Die voraus liegenden Tonnen sehen wir immer erst Schemenhaft, nachdem die achteraus liegenden nur noch zu erahnen sind. Jetzt heißt es genug vorhalten und genau auf Kurs bleiben. Wind und Strom kommen von Steuerbord, es ist ein bisschen so, als würde man beim Autofahren durch die Seitenscheibe nach vorne sehen müssen. Kaum sind wir zwischen den Inseln, lassen Seegang und Strom deutlich nach und ein Stück weiter den Kanal hoch bleiben nur noch kleine Rippel auf der Wasseroberfläche übrig. Auch der Wind läßt ein wenig nach, der Regen jedoch ist weiterhin mit Blicken schwer zu durchdringen. Zwei Meilen weiter wollen wir an Backbord in einen kleinen Flußhafen einlaufen, Segelmasten kommen in Sicht, die Detailkarte weißt eine Wassertiefe von zwei Metern aus! Die häufigen Veränderungen in der Lagune sind der Karte jedoch nicht zu entnehmen. Zuerst glaube ich, wir können uns eine kurze Spur in den Schlick schieben, bei jetzt herrschendem Niedrigwasser fehlen uns aber doch die erforderlichen Zentimeter um durchzukommen, also drehen wir um. Der Motor ist gefordert, um uns herum erscheinen abgerissene Büschel von Seegras und es dauert eine kleine Weile, bis wir zurück im Fahrwasser sind. Wir fahren den Fluß weiter aufwärts zur Marina Sant´Andrea, als plötzlich weißer Rauch aus dem Auspuff kräuselt, ärgerlich, wir haben wohl auch Seegras vor die Kühlwasseröffnung bekommen. Ein Blick auf die Motortemperatur und die nahe liegende Einfahrt zur Marina, ermutigen uns dann mit kleiner Drehzahl die letzten Meter in die erstbeste Box zu fahren, statt den Anker zu werfen. Die Box ist zwar für Boote bis zwanzig Meter Länge vorgesehen, aber wir haben ja ausreichend lange Festmacher. Da der Regen nur wenig nachgelassen hat, nehme ich gleich mal ein erfrischendes Bad. Mit Brille, Schnorchel und Werkzeug tauche ich unter den Rumpf. Unsere Vermutung erweist sich als richtig und nach fünfzehn Minuten ist die Ansaugöffnung vom Seegras befreit, jetzt noch den Seewasserfilter und die Leitung spülen und alles ist wieder in Ordnung. Maschine läuft wieder einwandfrei. Abends gibt es im Marina eigenen Restaurant ein leckeres Esse als Abschluss eines interessanten Tages.

Rückdrehender Wind

Als wir morgens den Fiume Tagliamento verlassen steht ein schöner Südwind mit 3 – 4 Beaufort (so ca. 20 km/h) vor der Mündung. Zunächst kurven wir uns jedoch unter Maschine von den Untiefen und Fischerzeichen frei. Später gehen wir auf Halbwindkurs, geplantes Ziel Grado im ostwärtigen Teil der Laguna die Marano. Schon nach einer Stunde verzeichnen wir die langsame Änderung der Windrichtung zu unseren Ungunsten, er dreht von Süd auf Ost, im allgemeinen ist davon auszugehen dass er dann später sogar weiter auf Nordost – Nord dreht. Würde er dann auch noch auffrischen könnte eine Bora-Lage entstehen. Mein Mitsegler hat jedoch nichts gegen ein bisschen mehr Wind und so entscheiden wir, nicht gegen 20 Knoten aufzukreuzen sondern ändern einfach unser heutiges Ziel, wir richten unsere Kurslinie auf  Piran/Slowenien aus. Dadurch wird unsere Etape etwas länger, für Uli auch interessanter, da die „Einbahnstrassen“ eines Verkehrstrennungsgebietes (VTG) gequert werden müssen. Wenig später sehen wir schon den ersten Tanker aus Richtung Triest in das VTG einlaufen. Eine gute Gelegenheit, das Automatische Identifikationssystem (AIS) auszuprobieren. Hier werden Schiffs- und Reisedaten in der Nähe befindlicher Wasserfahrzeuge mit entsprechender Ausrüstung als Ultrakurzwellen-Signale (UKW) empfangen, auf deren Basis u.a. Navigstionsberechnungen zur Vermeidung eines Zusammenstoßes durchgeführt werden können. So haben wir immer einen Überblick über Position und Abstand zu dem Riesen, der durch seinen Tiefgang hier – im Golf von Triest – nicht so leicht ausweichen kann. Da der geringste Abstand nicht unter eine Seemeile (1,852 km) sinkt können wir unseren Kurs sicher fortsetzen. Bald ist die zwei Meter hohe Ansteuerungstonne erreicht, die die beiden „Einbahnstraßen“ trennt und den Schiffen aus Westen bei der Einfahrt hilft, nun gilt es die Aufmerksamkeit verstärkt in die andere Richtung zu lenken. Am Horizont erscheint wenig später die Siluette von Piran/Slowenien mit dem Glockenturm der Kathedrale St. Georg. Beim Einlaufensieht es erst mal nicht so aus, als könnten wir einen Liegeplatz ergattern. Ein freundlicher Polizist gestattet uns jedoch direkt neben dem Polizeiboot festzumachen. Da der Wind weiter zugenommen hat und dierekt von der Seite kommt, legen wir mit Bug voraus an. Uli steht auf dem Brett des Bugkorbes um die Bugleine an Land belegen zu können und ich bereite den achterlichen Festmacher für die Boje vor. Als ich mich wieder umdrehe, kann ich Uli nicht mehr sehen. Wenig später taucht er dann leicht lädiert wieder auf. Er deutet auf das Brett und erst jetzt erkenne ich, das da die vordere Hälfte fehlt, glatt abgebrochen und das bei diesem Leichtgewicht.

Bugbrett, Quermaserung

Bugbrett, Quermaserung

Wir wollen uns gar nicht vorstellen, was hätte passieren können, wenn Uli nicht auf den Steg, sondern zwischen Bug und Steg gestürzt wäre. So können wir nach kurzer Rekonvaleszenz durch die schöne Altstadt schlendern, unseren Anleger begießen und über die Statik von Holz in unterschiedlichem Zuschnitt zu diskutieren. Schnell sind wir uns einig, die Werft über unser Ergenis zu Informieren.

Bugbrett, neu, mit Längsmaserung

Bugbrett, neu, mit Längsmaserung

Flußfahrt mit kleinen Hindernissen

Der nördliche Wind steht weiterhin durch, deshalb können wir heute auch herrlich gen Osten segeln und finden uns am Nachmittag vor der Mündung des Fiume Tagliamento ein. Hier heißt es die Augen offen halten, da neben zahlreichen Sandbänken ebensoviele Fischerzeichen Ungemach erwarten lassen. Wir intensivieren unseren Ausguck auch deshalb, weil der Wind seit kurzer Zeit auf Süd gedreht und aufgefrischt hat. Die Flachstellen sind jetzt deutlich am sich kräuselnden Wasser erkennbar. Die Fahrrinne ist sehr gut betonnt, aber auch mit flacheren Stellen gespickt, gut dass der Fluß eine kleine Kurve beschreibt und so die Wellen nicht alzu hoch werden können. Wir wollen außerhalb der Marina liegen bleiben, um ein schöneres Panorama zu haben. Strom und Wasser brauchen wir nicht und so nähern wir uns in schleichfahrt dem linken Flußufer. Schnell nimmt die Wassertiefe ab und fünf Meter vor unserem geplanten Liegeplatz bringt uns auch ein Erhöhen der Drehzahl dem Ufer nicht mehr näher – Wassertiefe 1,70 m trotz „leichtern“ und Luft anhalten, zu wenig für uns. Ein schweizer Segler gibt uns den Tip, dass es weiter in Richtung Marinaeinfahrt noch einmal tiefer sein könnte und so versuchen wir unser Glück ein zweites Mal. Siehe da es klappt, 30 cm Wasser unterm Kiel sollten uns dann auch rechnerisch reichen, den Niedrigwasserstand schwimmend zu überstehen.

Sonnenuntergang vor der Marina Uno

Sonnenuntergang vor der Marina Uno

Während des Abendspaziergangs entdecken wir draußen auf der Landzunge das Restaurant „Alla Vecchia Finanza“, das uns sehr zusagt. Zuerst wollen wir draußen sitzen, aber nachdem die Sonne untergegangen ist wird es doch schnell kühl und wir verziehen uns ins warme zu einem leckeren Abendessen!

Sanftes Segeln

Der Regen hat die Nacht durchgestanden, aber seit dem frühen Morgen findet sich doch die ein oder andere blaue Lücke im dunklen Einheitsgrau. Wir lassen uns Zeit für Frühstück, Einweisung und Sicherheitseinweisung, machen noch einen kleinen Rundgang durch die Altstadt (Marina – Markusplatz ca. 25 min), kaufen noch Frischverpflegung an einem Marktstand mit freundlicher Bedienung und guten Preisen und nehmen uns noch einen Espresso vor dem Auslaufen. Mittags gibt es sogar ein paar Knoten Wind aus der richtigen Richtung und so können wir unter Genua vor dem Wind aus der Lagune kreuzen.

WIND SURF  5 Sterne mit Pool

WIND SURF
Begegnung vor der Lagunenzufahrt: 5 Sterne mit Pool 

Am späten Nachmittag schon haben wir unser heutiges Ziel erreicht. Die Marina del Cavallino löst bei Uli angenehme Erinnerungen aus, desshalb haben wir heute dieses Ziel gewählt. Wie alle Marinas der nördlichen Adria ist auch diese um die Zeit schon ordentlich belegt, obwohl die Liegegebühren im gehobenen Bereich liegen. Als Segler sind wir hier denn auch eher die Ausnahme. Werftseitig bleiben jedoch keine Wünsche offen. Die sanitären Anlagen sind ansprechend und werden gerade noch für die Saison auf- und vorbereitet, weshalb es auch etwas lauter zugeht. Zum Tagesschluß kocht uns Uli heute noch ein vorzügliches Mahl.

Venedig sehen und sterben

Nein, ganz sicher nicht!

Aber Venedig ist eine Reise wert. Es ist Samstag und ich erkunde die Stadt zu Fuß. Da gibt es wenig, an das ich mich erinnern kann, von meinem Besuch in den 70er Jahren. Glücklicher Weise ist die Stadt Mitte Mai noch nicht ganz so überlaufen. Also bummle ich entlang der bekannten Touristenpfade, genieße die Sehenswürdigkeiten der Stadt und schlürfe – etwas abseits – einen vorzüglichen Espresso in einer kleinen Bar. Leider spielt das Wetter heute nicht so mit wie gewünscht. Kühler Regen ist der Freude abträglich.
Als am Abend Uli per Vaporetto (Buslinie zu Wasser) ankommt lacht die Sonne in Strömen Freudentränen. Die 200 m von der Haltestelle bis um Boot reichen aus uns zu durchweichen. Schnell ziehen wir uns in den gemütlichen Salon der CALYPSO zurück, wieder getrocknet planen wir den anstehenden Törn und „verratschen“ (een verzählsche) den Rest des Abends.

Venedig

Stillwasser. Die Nacht am Anker war ruhig, ohne Wind, nur die Tide drehte das Boot ganz vorsichtig. Das Wetter ist großartig und mit etwas Glück kommen wir heute wohl ans Segeln.
Schier endlos führt die Dalbenreihe an Steuerbord Richtung Ansteuerungstonne. Die Ausfahrt der Lagune erreichen wir drei Stunden vor Hochwasser, die Wassertiefe beträgt auf der Barre jetzt teilweise nur 3,00 m, bei 0 Wind und 0 Welle allerdings kein Problem. Gemütlich tuckern wir der Punta Tagliamento entgegen und genießen den Blick auf fast endlose Strände. In Höhe der Mündung des Tagliamento stellen wir die Maschine ab und rollen zum gesetzten Großsegel die große Genua aus. Wir segeln!!!
Innerhalb kurzer Zeit frischt der nördliche Wind zeitweilig bis auf 16 Knoten auf und die SUNBEAM kann zeigen was ihr schlanker Rumpf leisten kann. Kursstabil pflügt sie durch die kleinen Wellen und wir „fliegen“ mit 6 – 8 Knoten nach Westen, vorbei an so bekannten Badeorten wie Bibione, Falconera und Lido di Jessolo.
Auf dem Weg probieren wir das Boot mit einigen verschiedenen Manövern aus, reffen ein und aus, wenden und halsen und verschaffen uns beigedreht ein wenig Ruhe zum Kaffeettrinken. Bei diesen moderaten Verhältnissen sind wir mit dem Seeverhalten der CALYPSO voll zufrieden.

Die herrlichen Stunden bis zur Ansteuerungstonne des Porto Lido, der ostwärtigen Einfahrt der Lagunenstadt (ca. 45 sm), sind kurzweilig und viel zu schnell vorbei. Der Verkehr hat deutlich zugenommen und bei frischem Nordwestwind holen wir die Segel ein und folgen nun – vorbei an Stellnetzen und Fischfarmen – unter Maschine der Betonnung in die Lagune. Immer wieder findet sich Venedig mit dem überspülten Markusplatz in den Schlagzeilen der Medien, dagegen wird nun u.a. ein neues Sperrwerk in der Einfahrt gebaut und wir navigieren sorgfältig in den geänderten Wasserwegen. Als uns in Höhe des Ex Semaforo im Canale die San Nicolo ein „Kreuzfahrer“ entgegen kommt, bleibt für uns nur der äußerste Rand des Fahrwassers.

 

Kreutzfahrer bei der Ausfahrt

Kreutzfahrer bei der Ausfahrt

 

Bis zu fünf dieser Kolosse können gleichzeitig mitten in der Stadt ankern, dann überschwemmen die Menschenmassen der Dickschiffe die Stadt. Nichts gegen einen florierenden Tourismus, da die Großen durch die Stadt jedoch nicht mit Energie versorgt werden können, laufen die Stromerzeuger der Touri-Schiffe während des gesamten Aufenthaltes (mit Schweröl) und die ehrwürdige Altstadt und deren Bewohner sind hierdurch in eine dicke Abgaswolke gehüllt. Geht das nicht auch schonender?

Luxuriös aber leider nicht umweltfreundlich

Luxuriös aber leider nicht umweltfreundlich

Nach einer kleinen Rundfahrt bekommen wir vom freundlichen Hafenkapitän in der Marina Sant´Elena einen Liegeplatz zugewiesen, noch zweieinhalb Stunden bis zum Abflug, das sollte reichen.

 

Putzen, bangen, ankern

Die letzten beiden Tage waren wir echt fleißig!
Winterplane abgenommen, gereinigt und verstaut, Maschine in Gang gebracht, Elektrik umgebaut, neue Gasschläuche und einen neuen Gas-Fernschalter installiert, neues Funkgerät mit AIS eingebaut, Wassertanks gefüllt, Kunststoff-Unterbett zugeschnitten und eingebaut, Verpflegung gebunkert, Ankerlicht ersetzt, Masttop kontrolliert, Ankerkette gestaut, Instrumente geprüft, Segel angeschlagen ……..
Wegen der besseren Zugänglichkeit haben wir dann die CALYPSO an einen anderen Steg verlegt, hier sind mehrere Boxen nebeneinander frei und ich konnte im Dingy kniend, gut den Rumpf zwischen Wasserlinie und Scheuerleiste reinigen. Hansjörg kümmerte sich um ein sauberes Deck. Am späten Nachmittag bleibt kaum noch Zeit für ein Schwätzchen mit Heinz, denn wir haben etwas Zeitnot.

Morgen Abend geht der Flieger ab Marco Polo, der Hansjörg wieder nach Hause bringen soll und wir wollen doch unbedingt mit der CALYPSO nach Venedig – Kuhl,  mit dem Boot zum Airport (kein Druckfehler sondern ein Insider ;-)). Der Canal die Lustri wurde seit mehreren Jahren nicht ausgebaggert und unsere „Messfahrt“ mit dem Dingy ergab, dass es morgen (Tag fünf nach Neumond) für die Umsetzung unseres Plans bereits zu spät sein kann. Die Tide würde dann für unseren Tiefgang nicht hoch genug sein und außerdem soll der südliche Wind, der etwas Wasser zusätzlich in die Lagune drückt, auf Nord drehen. Ich möchte am Ankerplatz wenigstens noch ein bisschen „Büchsenlicht“ haben, um das Eisen sicher in den Grund zu setzen und nicht beim ersten Befahren der Lagune (und der ersten Fahrt mit der CALYPSO überhaupt)  gleich eine spannende Nachtfahrt unter Radar durch die Dalbengasse. Zu allem Übel geht heute auch noch der Mond vor der Sonne unter. Sonnenuntergang ist um 20:27 Uhr loc und gegen 21:00 Uhr loc wahrscheinlich stockfinstere Nacht.

Zwei bis drei Mal zeigt das Echolot 1,70 m Wassertiefe an und wir ziehen den Kiel durch den – glücklicherweise – sehr weichen, tiefen Schlick. Der Ankerplatz (45°42,5´N 013°09,1´E) gegenüber Lignano Sabbiadoro ist um 20:35 Uhr erreicht, der Anker schnell eingegraben und um 21:00 Uhr ist es so dunkel, dass man nicht mal mehr das nur 100 m weit entfernte Ufer der Isola Marinetta erkennen kann. Von Süwesten grüßen die Lichter der Marina Punta Faro.

Her mit dem Ankerbier, morgen geht es nach Venedig.

 

Der zweite Blick

Auf den zweiten Blick entdeckt man halt doch den einen oder anderen Hinweis darauf, dass CALYPSO fünf Monate ohne Crew „Winterschlaf“ gehalten hatte. An der Winterplane sind einige Nähte ermüdet und eingerissen, ergiebiger Regen hat auch eben so viel Schmutzspuren auf dem Deck hinterlassen und Spinnen und sonstiges Kleingetier haben sich während der langen Pause ihren Lebensraum erobert. Schmutz und Hinterlassenschaften der fliegenden Zunft sind gleichmäßig verteilt und am Zustand der Spanngummis kann man unschwer erkennen, dass auch über die sehr gut geschützte Marina Capo Nord manche Winterstürme nicht spurlos hinweg ziehen. Sehr zufrieden bin ich mit der Ladungserhaltung der Batterien. Das freie Solarpanel zwischen den Achterstagen hat gute Arbeit geleistet. So vergeht der Rest des Vormittags mit Putzen und Herrichten der Vorschiffskabine für meinen Besuch, der sich für morgen angekündigt hat. Am Nachmittag erwecke ich den Motor, der sofort nach dem Ölverteilen anspringt und rund läuft. Dann der spannende Moment beim Einkuppeln, gibt es Vortrieb oder nicht – eher nicht. Auch mit erhöhter Drehzahl ist kein merklicher Vorschub zu erzeugen. Na gut, dann werde ich wohl trotz der immer noch sehr kühlen Wassertemperaturen, zu einem ausgedehnten Bade schreiten, brrr, hoffe der Neopren wird’s richten.

Das Wasser ist nicht nur kalt sondern auch sehr trübe. Ich muß mit der Nase schon ganz nah ran gehen, um was erkennen zu können. Am Ende der Welle finde ich statt des Propellers einen Ball. Hier haben sich also jede Menge Meeresbewohner häuslich eingerichtet. Luft holen, abtauchen, festhalten, schaben, auftauchen, Luft holen, abtauchen …………………………………………………………………………., nach zwei Stunden ist es endlich vollbracht, der Faltpropeller lässt sich öffnen und damit sollte sich der Vortrieb auch wieder einstellen.

So sauber wird der Faltpropeller nur an Land

So sauber wird der Faltpropeller nur an Land

Wieder an Land merke ich schnell, dass es jetzt wohl Zeit für eine aufwärmende Pause ist und ich beschließe, die Arbeiten für heute einzustellen.

Abends hole ich Hansjörg von „Marco Polo“ ab, da der Flieger etwas verspätet ist, müssen wir das geplante leckere Menü im „Il Canedo“  auf morgen verschieben. Ein paar Panini an der Raststätte und ein Willkommensbierchen im Salon müssen einstweilen reichen.