Archiv des Monats: Juni 2014

Die nächste Stufe

Am morgen noch versorgen wir uns in Brindisi. Die Buden und Stände des Weinfestes werden abgebaut, überall geruhsame Betriebsamkeit. Wir streifen nochmal durch die Altstadt und besuchen natürlich die Kathedrale, wieder anders, wieder sehr schön. Auffallend, überall in der Stadt Denkmäler für Viktor Emanuel III., hier hat er wohl besonders nachhaltig gewirkt. Wir finden den Supermarkt und ergänzen unsere Vorräte. Wasser ist immer ein Thema, wir laden den Wagen voll, denn wir haben ja unseren Porta Carellio dabei. Leider erfüllt der nicht ganz unsere Erwartungen, denn nach dem Transport von drei Sixpack Wasser ist er im wahrsten Sinne des Wortes platt, wieder ein Stück weniger zum Stauen, auch gut. Noch schnell beim Zubehörladen den in Italien ausgesonderten Bootshaken ersetzt und einige Schäkel gekauft (kann man nie genug haben) und Hihgnoon wird abgelegt. Wir rechnen mal 24 Stunden für die gut 90 sm Strecke bis Erikoussa, eine Corfu vorgelagerte Insel in Griechenland. Zunächst ist wieder der riesige Hafen zu durchqueren, aber gleich beim Ansteuerungsfeuer können wir Segel setzen. Der Wind passt mal wieder, schnell ist ein Schießgebiet umfahren, dem Verkehrstrennungsgebiet ausgewichen, eine Restricted Area passiert und das offene Meer empfängt uns ohne merkliche Welle. Tagsüber ist nicht viel zu tun, neben dem Steuern, die Segel einigen Winddrehern anpassen ist dann schon alles. Nach einem herrlichen Sonnenuntergang, bestaunen wir wieder Mal den Sternenhimmel, doch nicht alles was da leuchtet sind Sterne. Sateliten, Flugzeuge und Schiffe leuchten auch als „kleine Sterne“. Da, an Steuerbord was leuchtet denn da, die Toplichter eines Frachters werden im abendlichen Dunst deutlicher, der ist aber nah!Die Technik bestätigt dann unsere Vermutung und die nächsten Minuten herrscht angespannte Aufmerksamkeit, für manche Kapitäne ist eher der Fahrplan und der Treibstoffverbrauch wichtig, denn ein gehöriger Abstand. Die Handlungspflicht liegt beim Anderen, Handlungsmöglichkeiten aber auch bei uns und so lassen wir es mal drauf ankommen. Ohne Kursänderung zieht der 250 m lange Frachter vor uns durch die Kurslinie. Der kürzeste Abstand beträgt dabei keine 500 m das hört sich vielleicht viel an, entspricht aber definitiv nicht guter Seemannschaft.
Später brauchen wir dann doch mal den Motor als der Wind stark abnimmt aber die mittlerweile 1,5 m hohe achterlich anlaufende Welle unser Bötchen immer wieder durchschaukelt und die Segel einfach nicht mehr stehen bleiben wollen. Das gleiche passiert uns am frühen Morgen nochmal beim Einlaufen in das Ionische Meer. Mehr war dann aber auch nicht und wir lassen unseren Anker morgens um 1100 in den Sand vo Erikoussa fallen. 22 Stunden für diese Strecke bedeutet einen Durchnschnitt von 4,2 Knoten (4,2 x 1,852 km), das ist mehr als ok, für eine so ruhige Überfahrt.

Sonnenuntergang auf Eirakoussa

Sonnenuntergang auf Eirakoussa

Ausruhen und Aufklaren ist angesagt. Abends laden wir Martin und Ines die Crew der LACUS FELIX zum Sundowner und Klönschnack ein, wir hatten uns in italienischen Häfen schon einige Male gesehen und verfolgen ähnliche Ziele und schlafen wunderbar in der ruhigen Bucht.

Geschichtsträchtig

Heute laufen wir einen sehr alten, geschichtsträchtigen Hafen an. Die Römer ließen hier ihre Via Appia direkt am Hafen enden, Virgil soll hier gestorben sein, Byzanz machte es zu einem islamischen Emirat, die Staufer brachten wirtschaftlichen Aufschwung, die Kreuzfahrer schifften sich nach Palästina ein und heute versorgt die UN-Logistic-Base die Blauhelm-Missionen der Vereinten Nationen. Hier ist was los. Wir legen direkt am Stadtkai an, der Marinero entfernt von einem Nachbarlieger eine Mooringleine und zeigt uns eine Lücke, die sehr schmal erscheint, aber wir haben ja glücklicherweise ein schlankes Boot. Eingepresst zwischen zwei größeren Booten brauchten wir eigentlich gar keine Festmacher, CALYPSO läge auch so „fest“. Aus der nahen Altstadt dringt laute Musik, deren Ursache wir natürlich sofort verfolgen. Negromaro Vine Festival unter dem Titel „botta di vita“ (Schuß fürs Leben) bieten regional und überregionale Anbieter alles was mit gutem Leben in Zusammenhang gebracht wird. Für eine Pauschale von 25 € kann man essen und trinken was das Zeug hält, wir hatten schon gegessen – Dagmar hatte lecker gekocht – und konnten uns dennoch nicht zurückhalten, ein bisschen Prosecco hier, ein Spanferkelbrötchen da, un pocchino delle dulce usw. es war ein Abend mit vielen Eindrücken und Genüssen. Wir kosten es aus, denn morgen wollen wir – nicht zu früh – die Überfahrt in Richtung Corfu anlegen, wir rechnen mit bis zu 24 Stunden und können deshalb etwas später auslaufen.

Die einzige Stadt

Der Rundgang durch die Kleinstadt Monopoli führt neben dem alten Schloss auch an der Kathedrale Maria Santissima della Madia vorbei. Das alte Schloss ist deutlich auch durch die Herrschaft der Staufer beeinflußt. Sowohl Heinrich VI als auch Friedrich II haben hier restaurieren lassen, das kam dem Zustand sehr zu Gute.

Eine weitere Kathedrale hier im Süden Italiens und doch sind alle sehr verschieden, hier finden wir , wie häufig ein von außen eher schlichtes Gebäude, im Innern jedoch paart sich die Kühle des hellen Kalksteins (aus der Nähe von Trani), der quasi nur an den Säulen zu erkennen ist, mit der warmen Ausstrahlung der Decken- und Wandgemälde, die überreich jede, auch kleinere Flächen, bedeckt.
Die Plätze und Straßen sind wie immer abends sehr belebt, einige Teile der Altstadt sind zeitweilig für den Autoverkehr gesperrt und so genießen wir die Umtriebigkeit und das Eis der besten Eisdiele der Stadt „Roma I“.

Früh morgens schlendern wir durch die engen Gassen, die Balkone gegenüber liegender Häuser scheinen sich fast zu berühren, Wäscheleinen sind über einige Rollen über die Gasse gespannt, so können beide Seiten ihre Wäsche trocknen. Einen starken venezianischen Einfluß erkennt man u.a. am Palazzi Martinelli und Palmieri, ein schönes altes Städtchen seit ca. 2500 Jahren bewohnt.

Bari

Heute entscheiden wir uns für den alten Hafen von Bari. Er sieht zwar recht abenteuerlich aus , Strom und Wasser gibt es nicht, die Mole ist Flaniermeile, Anglerparadis und abends (bewachter) Parkplatz.
Wir müssen uns erst gegen die angestammten Angler durchsetzen, um überhaupt an die Pier zu kommen, dann fehlen Ringe oder Poller zum festmachen, wir improvisieren, sprechen mit den Anglern ein freundliches Wort und alles ist in Ordnung. Abends gehen wir in die Altstadt, die keine fünf Gehminuten entfernt ist. Unglaublich, hier ist wirklich was los. Alle Straßen und Plätze sind voll, voll von Menschen (wegen Pfingstsamstag?), der Lärmpegel ist beachtlich, dennoch schlafen wir gut.

Blumenschmuck in Bari

Blumenschmuck in Bari

Am nächsten Morgen schlendern wir nochmal durchs Städtchen. Stadtmauer, Kathedrale – hoch hell schlicht, Altstadtgassen, teilweise sehr gepflegt, teilweise mit eher morbidem Charm. Dagmar verhandelt gerne mit den Händlern, beim Fischer beißt sie sich heute jedoch die Zähne aus, er macht sein Angebot – take it or leave it! Wir nehmen 1 kg Miesmuscheln, ungeputzt für 2 € und einen Beutel saubere, in feine Ringe geschnittene Calamari der besonderen Art (man kann sie auch roh essen) für 5 €. Beim Gemüsehändler gibt es „Frisches“, nur Brot wird heute keines verkauft, also backt Dagmar kurz entschlossen selbst eins. Endlich habe ich heute die defekten Halterungen des Bootshakens entfernt, damit der „Neue“ nicht gleich wieder über Bord geht.

Trani

Wetter wie gestern, Beseglung wie gestern, Küste wie gestern. Am Nachmittag kommen wir in Trani an. Trani ist eine sehr alte Stadt (9. Jahrhundert a.D., Langobarden, Byzantiner, Normanen, Venezianer alle haben ihre Spuren hinterlassen und ihre Gene. Von hell bis dunkel, von blond bis schwarz, Augen schwarz über braun bis hin zu wasserblaue (Nobody läßt grüßen) ist alles da.
Trani ist Mitglied der Cittaslow eine Bewegung zur Entschleunigung und Verbesserung der Lebensqualität. So fällt auf, dass alle Leute wirklich ausnehmend freundlich sind, einem Hinweise und Tips zufliegen ohne dass man danach gefragt hat und die Autofahrer am Zebrastreifen anhalten, wenn man dort nur steht. Die Kathedrale San Nicola Pellegrino ist wirklich ein Hammer, schlicht, architektonisch ohne Schnickschnack, hell, und spielte schon zu Zeiten der Kreuzzüge eine gewichtige Rolle, da hier auch ein Templerhospiz für Jerusalempilger stand. Der früh morgendliche Rundgang zeigt auch die exponierte Lage der Altstadt auf einer kleinen Halbinsel und die vielen schönen Ausblicke auf das Meer.

Vieste

Am heutigen Tag war Sight-Seeing angesagt. Zuerst morgens in aller Frühe (da ist noch nicht soviel Verkehr) erkunden wir das Städtchen hoch auf den Klippen, das genau am Sporn des italienischen Stiefels liegt, auch Gargano genannt. Neben dem Kastell (leider militärisches Sperrgebiert) und der Kathedrale gibt es viele weitere Sehenswürdigkeiten u.a. steinzeitliche Graffiti. Besonders sehenswert sind die kleinen Gassen und Gässchen, leicht gebogen, damit die Luft zirkulieren kann aber kein Zug entsteht und im Sommer eine angenehme Kühle herrscht, wobei im Winter der Ort deshalb auch nicht auskühlen kann. Wir lassen uns Zeit bis zum frühen Nachmittag.

Vieste

Vieste

Der Wind kommt mal wieder aus der richtigen Richtung und wir können nur unter Vorsegel die Küste entlang schippern. Hier gibt es jede Menge Grotten, Höhlen und Wehrtürme von Ruine bis komplett erhalten. Schon nach drei Stunden sind wir an unserem Etappenziel MATTINATA angekommen. Ein sehr altes Städtchen, das in grauer Vorzeit durch eine Flutwelle dem Untergang geweiht war. Deutsche Archäologen haben dies herausgefunden und so sind die alten Fundamente heute am kleinen Hafen zu besichtigen. Der Hafenmeister verweist uns auf einen Ankerplatz vor dem Hafen und da eine ruhige Nacht zu erwarten ist fällt das Eisen auf gut haltenden Sandgrund. Dagmar bereitet uns die vom Fischer erstandenen frischen Gamberi in Olivenöl und Knoblauch zu, dazu gibt es ein leckeres Brot nach Rezept aus der Region und gekühlten Weißwein aus Apulien.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Überfahrt

Wir lassen uns Zeit, da der Wind erst am späten Vormittag einsetz und schauen uns noch in einigen Buchten auf Lastovo und Prezba um. Pünktlich zur Ausfahrt aus der Inselgruppe lebt der Wind auf. Er kommt zwar etwas vorlicher (mehr von Vorne als erwartet, aber wir können unser Ziel VIESTE dennoch direkt anliegen. Der Tag vergeht mit einigen kleinen Segelkorrekturen und der Wind ist heute verlässlich. Nur als Dagmar unser Mittagessen kocht, wird von ihr durch zunehmenden Wind (5 Bft) und der daraus entstehenden Welle einiges an Geschick verlangt, die Spaghetti zuzubereiten.

Schon um 2200, nach knapp 70 sm, legen wir in der Marina an, klaren das Boot auf und gönnen uns die verdiente Nachtruhe.

Der Wind macht nicht was er soll

….uns bis nach Lastovo pusten.

Morgens recht früh, fallen die Böen in die Bucht ein. Gut ausgeschlafen brechen wir mit einigen anderen Seglern auf, denn die Windrichtung verspricht eine schnelle Überfahrt.

Kaum aus der Bucht frischt der Wind weiter auf und wir haben viel Spaß mit vollen Segeln vor dem Wind durch das wellenlose Wasser zu gleiten. Später wird der Blister gesetzt und hierbei habe ich wohl den Stausack nicht richtig angebunden. In hohem Bogen fliegt er davon und bis wir den Blister geborgen und (ungefähr) an dieser Stelle zurück sind, ist der Sack bereits auf Tiefe gegangen.  Naja, ein bischen Schwund ist immer.

Dieser Spaß ist jedoch nach zwei Stunden schon wieder viel zu früh vorbei, innerhalb von zehn minuten knickt der Wind von 20 kt auf 0,0 kt ein und wir müsen unseren treuen Freund – den  Jockel – bitten uns den Rest des Weges weiterzubringen. Langweilig wird es dennoch nicht, da die gesamte Strecke geäumt ist von einer Vielzahl von Inseln und Inselchen, da gibt es immer etwas zu sehen. Auch ein Delphin schaut kurz vorbei, ist aber wohl mit der Jagt beschäfftigt und verschwindet schnell in den heute türkisblauen Fluten. Wir schauen uns die Bucht Zaklopatika an, sie ist schön, aber für unseren Geschmack zu sehr bebaut und kommerzialisiert, auch daran zu bemerken, dass kurz nach unserem Einlaufen einigeLiegeplätze durch Hochhalten der Mooringleine (im Grund verankerte Leine zum Festmachen des Bootes) angeboten werden. Diese Plätze sind Kostenfrei, wenn man abends das Restaurant besucht.

Wir fahren weiter und finden unsere Bucht auf der Insel Prezba. Im Naturpark ist ein kleiner Obulus als Eintritt zu zahlen, die Natur ist jedoch überwältigend und wir sind allein.

einerseits, andererseits

Gestern konnten wir während der Fahrt auf der Südseite Korculas von Windstille bis Starkwind alles erleben. Viele Wolken, Winddreher wegen Gewitter, Schauer, Sonnenschein und strahlend blauer Himmel wechselten sich gegenseitig ab. Abends dann merkte ich meine Hände vom häufigen Segelwechsel dann doch mehr als sonst.

Nach dem etwas anstrengenden Tag bummelten wir abends ohne weitere Absichten durch die wirklich malerisch pittoreske, mittelalterliche Altstadt von Korćula Stadt. Hier ist wirklich sehr sehenswertes altes Gemäuer erhalten geblieben, der Wehrmutstropfen, die Stadt ist zugepflastert mit touristischen Restaurants, Bars und Cafés. Das beeinflusst das Flair nicht immer zum Positiven.

Stadttor Korcula für Dani und Mara

Stadttor Korcula
für Dani und Mara

Ein Gegengewicht dazu bilden die hübschen kleinen künstlerisch angehauchten Lädchen und Ateliers, bei denen natürlich viele auf Marco Polo abheben, der hier geboren worden sein soll.

Heute war dann groß Reinemachen angesagt. Früh auf den Beinen, wurde CALYPSO Innen und Außen von Salz und Staub befreit. Danach ging´s dann nochmal ins Städtchen ein paar Fotos machen – extra für Dani und Mara. Als wir wieder in der Marina zurück sind, haben alle anderen Boote an unserem Steg bereits abgelegt und motoren dem windlosen Tag entgegen.

Wir müssen lernen unseren Kurs nach den Sternen auszurichten,
nicht nach den Lichtern vorbeifahrender Schiffe . (Omar Bradley)

Korcula von Osten

Korcula von Osten

Am frühen Nachmittag, als der erste Windhauch durch die Marina zieht, legen wir ab. Mljet oder Lastovo, eine der beiden Insel wollen wir heute erreichen. Ein letzter Blick zurück auf die eindrucksvolle kleine Stadt auf der Halbinsel, schon sind wir aus der Windabdeckung. Ein leichter Amwind-Kurs zeigt deutlich auf die Insel Mljet und schon nach zweieinhalb Stunden haben wir die 15 Seemeilen abgespult und laufen in die hübsche Bucht Uvala Lokva mitten im Naturpark.

Ankermanöver, kleiner Drink, ausgiebiges Bad im „frischen“ Wasser, Sundowner, leckeres Abendessen der Capitana, lesen, gute Nacht Schluck, Fertig für heute.